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Langes Chiffonkleid auf einer Schneiderpuppe mit abgestecktem Saum, Massband und Schere daneben

Chiffon Kleid kürzen: so bleibt der Saum flach

, 12 min Lesezeit

Chiffonkleid kürzen ohne Wellen im Saum: die neue Länge anzeichnen, den schmalen Saum nähen, das Futter richtig kürzen und was die Schneiderei kostet.

Das Kleid sitzt. Farbe stimmt, Schnitt stimmt, der Ausschnitt sowieso. Nur der Saum schleift über den Boden, und bei jedem zweiten Schritt trittst du dir selbst auf den Stoff. Zwei Zentimeter zu lang, vielleicht fünf.

Langes hellblaues Chiffonkleid am Bügel, dessen Saum auf dem Boden aufliegt

Bei Baumwolle wäre das eine Sache von zwanzig Minuten. Bei Chiffon nicht. Der Stoff rutscht unter der Nadel weg, franst an der Schnittkante aus, und der frisch genähte Saum wirft Wellen, die vorher nicht da waren. Nichts davon ist Zufall, und nichts davon ist unvermeidbar.

Hier steht, wie du ein Chiffonkleid sauber kürzt, was die Variante ohne Nähmaschine wirklich taugt, warum das Futter eigene Regeln hat, und bei welchen Modellen du besser die Finger davon lässt.

Warum Chiffon beim Kürzen zickt

Der Grund liegt im Garn. Chiffon wird aus stark gedrehten Fäden gewebt, die im fertigen Gewebe unter Spannung stehen und sich gegeneinander verschieben können. Genau diese Drehung gibt dem Stoff seinen leicht körnigen Griff und seinen Fall. Sie sorgt aber auch dafür, dass sich das Gewebe nicht wie ein braves Rechteck verhält, sobald du es anschneidest. Mehr zum Aufbau des Stoffs steht in unserem Ratgeber zum Chiffonstoff.

Was daraus folgt, merkst du spätestens auf dem Nähtisch. Der Stoff liegt nie ruhig, er wandert unter dem Nähfuß nach links, während du nach rechts nähst. An der offenen Kante franst er schneller aus, als du zusehen kannst, und mit jedem Millimeter, den du dort verlierst, wird der geplante Saum schmaler als gedacht. Dazu kommt der Fadenlauf: viele Chiffonröcke sind schräg zugeschnitten, damit sie um die Hüfte weich fallen, und schräg geschnittener Stoff dehnt sich unter seinem eigenen Gewicht. Ein Kleid, das du abends absteckst, hat am nächsten Morgen eine andere Länge.

Klingt nach Aufwand? Ist es auch. Nur ist es Aufwand mit einer klaren Reihenfolge, und die Reihenfolge ist wichtiger als jahrelange Näherfahrung.

Was du dafür brauchst

Die Liste ist kurz, aber jeder Punkt darauf hat einen Grund. Mit dem Werkzeug, das für Baumwolle reicht, wird das hier nichts.

Nähzubehör zum Kürzen eines Chiffonkleids: Nadeln, Garn, Schere, Stecknadeln und Schneiderkreide
  • Eine neue Maschinennadel, Stärke 70 oder 80. Feiner geht immer, gröber reißt.
  • Feines Polyestergarn in der Stofffarbe. Dickes Baumwollgarn trägt am Saum sichtbar auf.
  • Eine wirklich scharfe Stoffschere oder ein Rollschneider mit Schneidematte. Der Rollschneider ist hier im Vorteil, weil er den Stoff beim Schneiden nicht anhebt.
  • Viele feine Stecknadeln mit Glaskopf. Grobe Nadeln hinterlassen in Chiffon dauerhafte Löcher.
  • Ein Bogen Seidenpapier oder dünnes Backpapier.
  • Schneiderkreide oder ein Trickmarker, vorher an einer verdeckten Stelle getestet.

Wie kürzt man ein Chiffonkleid?

Ein Chiffonkleid kürzt du mit einem schmalen, doppelt gesteppten Saum: neue Länge im Stehen markieren, das Kleid einen Tag hängen lassen, knapp unterhalb der Markierung eine erste Naht setzen, den Überstand dicht neben dieser Naht abschneiden und die Kante ein zweites Mal schmal absteppen. Genäht wird vor dem Schneiden, nie umgekehrt.

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Diese Reihenfolge ist der eigentliche Trick. Wer zuerst schneidet, hat eine offene Chiffonkante auf dem Tisch liegen, die schon beim Transport zur Maschine ausfranst. Die erste Naht dagegen fixiert das Gewebe, und du schneidest anschließend gegen eine stabile Kante.

Die neue Länge richtig anzeichnen

Der häufigste Fehler passiert, bevor die Maschine überhaupt läuft. Die meisten messen vom alten Saum nach oben: fünf Zentimeter kürzer, rundherum abgesteckt, fertig. Nur setzt das voraus, dass der alte Saum überall gleich weit vom Boden entfernt ist. Bei einem geraden Schnitt aus festem Stoff stimmt das ungefähr. Bei einem Chiffonrock im schrägen Fadenlauf stimmt es nie.

Schneiderinnen messen deshalb andersherum, nämlich vom Boden nach oben. Du stellst dich gerade hin, jemand misst mit einem Lineal oder Maßband vom Fußboden aus immer denselben Abstand ab, sagen wir 35 Zentimeter, und steckt in diesem Abstand rundherum Nadeln. Was dabei entsteht, ist eine Linie, die im Raum waagerecht liegt, egal wie unterschiedlich der Stoff vorher gefallen ist. Genau so sieht ein Saum aus, der später gerade wirkt.

Und stell dich beim Abstecken normal hin. Nicht besonders gerade, nicht auf Zehenspitzen. Die Haltung, in der du auf der Feier stehen wirst.

Schritt für Schritt

  1. Kleid anziehen, dazu die Schuhe, die du später tragen wirst. Absatzhöhe verschiebt den Saum um mehrere Zentimeter.
  2. Die neue Länge im Stehen abstecken, am besten von einer zweiten Person. Schneiderkreide vorher an einer verdeckten Stelle testen, nicht jede Farbe geht wieder raus.
  3. Das Kleid einen Tag am Bügel hängen lassen und danach neu nachmessen. Bei schräg geschnittenen Röcken zieht sich der Saum in dieser Zeit noch, und ein Kleid, das direkt nach dem Anstecken genäht wird, hängt später vorne kürzer als hinten.
  4. Neue Nadel einsetzen, Stärke 70 oder höchstens 80. Eine gebrauchte Nadel mit winzigem Haken zieht Fäden im Gewebe, und die sieht man.
  5. Erste Naht mit langer Stichlänge, ein gutes Stück unterhalb der endgültigen Kante.
  6. Überstand mit einer scharfen Stoffschere dicht neben der Naht abschneiden.
  7. Kante einschlagen und ein zweites Mal absteppen, diesmal mit kürzerer Stichlänge. Fertig ist ein schmaler Saum, der kaum aufträgt.

Zwei Handgriffe, die kaum jemand erwähnt und die viel retten. Leg ein Stück Seidenpapier unter den Stoff, wenn die Maschine ihn in die Stichplatte zieht; nach dem Nähen reißt du das Papier einfach ab (an der Naht entlang, dann bleiben keine Reste hängen). Und näh die erste Naht erst an einem Reststück probe. Eine Fadenspannung, die bei Baumwolle sauber aussieht, kräuselt Chiffon sofort.

Schmaler doppelt gesteppter Saum an Chiffonstoff unter dem Nähmaschinenfuß

Der Saum wellt trotzdem: woran liegt das?

Du hast alles gemacht wie beschrieben, und der Saum liegt trotzdem nicht flach, sondern schlägt kleine Wellen wie eine Rüsche. Ärgerlich, aber fast immer reparabel, und die Ursache ist meistens eine von wenigen.

Am häufigsten ist die Fadenspannung zu hoch. Der Oberfaden zieht das Gewebe zusammen, die Naht wird kürzer als der Stoff, und der Überschuss muss irgendwo hin. Er geht in Wellen. Spannung ein, zwei Stufen runter, an einem Reststück prüfen, Naht auftrennen und neu nähen.

Die zweite Ursache liegt in den Händen. Wer den Stoff beim Nähen zieht, damit er nicht verrutscht, dehnt ihn unter der Nadel. Nach dem Nähen zieht sich das Gewebe zurück, die Naht kann nicht mit, und wieder wellt es. Chiffon wird geführt, nicht gezogen; die Maschine transportiert von allein.

Manchmal ist auch die Stichlänge schuld. Sehr kurze Stiche perforieren das feine Gewebe fast wie eine Reißlinie und kräuseln es. Bei der zweiten Naht darf der Stich kurz sein, aber nicht winzig.

Und dann gibt es den Fall, in dem niemand etwas falsch gemacht hat: ein schräg geschnittener Rock, der ohne Ruhezeit genäht wurde. Da hilft nur Geduld. Häng das Kleid ein bis zwei Tage auf, miss noch einmal nach und korrigiere die Stellen, die sich verzogen haben.

Kann man ein Chiffonkleid ohne Nähmaschine kürzen?

Ja, mit Bügelband. Das ist ein schmales Klebevlies, das du zwischen die eingeschlagene Kante und den Stoff legst und mit dem Bügeleisen aktivierst. Keine Naht, kein Faden, in zehn Minuten erledigt. Reicht das für ein Chiffonkleid? Für eines, das du zweimal trägst, ja.

Bei genau diesem Stoff hat die Methode allerdings ein paar Haken, über die in den Anleitungen selten jemand spricht.

Der wichtigste ist die Hitze. Chiffon aus Polyester schmilzt, und zwar schon bei Temperaturen, bei denen Bügelband gerade erst anfängt zu kleben. Wenn du diesen Weg gehst, dann mit der niedrigsten Stufe, einem Baumwolltuch dazwischen und einem Test an der Innenseite des alten Saums. Warum Polyesterchiffon so empfindlich auf das Bügeleisen reagiert, steht ausführlicher in unserem Materialratgeber.

Dann die Sichtbarkeit. Chiffon ist halbtransparent, und ein zwei Zentimeter breiter Klebestreifen zeichnet sich im Gegenlicht als dunklerer Balken ab, rund um den ganzen Saum. Bei einem geblümten Stoff fällt das kaum auf. Bei einem hellen einfarbigen sofort.

Das Band macht den Saum außerdem steif. Genau am unteren Rand, wo Chiffon eigentlich weich ausschwingen soll, sitzt plötzlich eine feste Kante, und das Kleid fällt anders. Wer den Stoff wegen seines Falls gekauft hat, merkt den Unterschied beim ersten Schritt.

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Und haltbar ist die Verbindung auch nicht. Nach ein paar Wäschen löst sich das Band an den Ecken, dann hängt der Saum stellenweise durch, und du fängst von vorne an.

Es gibt noch einen dritten Weg zwischen Maschine und Klebeband: den Rollsaum von Hand. Dauert einen Abend vor dem Fernseher, sieht aber besser aus als alles andere, und bei einem transparenten Stoff verzeihen kleine Handstiche mehr als eine schiefe Maschinennaht. Falls dein Kleid einen Gummizug in der Taille hat, probier vorher etwas Naheliegendes: Zieh es einfach höher und blousiere den Oberstoff darüber. Manche Kleider sind danach lang genug für Absätze und kurz genug für Ballerinas, ohne dass eine Schere im Spiel war.

Muss das Futter mitgekürzt werden?

Fast immer, ja. Die meisten festlichen Chiffonkleider haben ein blickdichtes Unterkleid, und das ist ein eigenes Kleidungsstück mit eigener Länge. Kürzt du nur den Oberstoff, schaut das Futter darunter hervor.

Saum eines Chiffonkleids mit dem etwas kürzeren blickdichten Unterkleid darunter

Beide Lagen werden getrennt gekürzt, und das Futter sollte am Ende etwas kürzer sein als der Chiffon darüber, etwa anderthalb Zentimeter. So verschwindet es zuverlässig unter dem fließenden Oberstoff, auch wenn du dich bewegst. Der Vorteil: das Futter ist meistens ein glatter, dicht gewebter Stoff, der sich viel einfacher nähen lässt als der Chiffon. Diese Hälfte der Arbeit geht schnell.

Was kostet es, ein Kleid kürzen zu lassen?

Deutsche Änderungsschneidereien rechnen fast immer zweiteilig, und das erklärt, warum die Preise im Netz so weit auseinandergehen. Es gibt einen Grundpreis für den Steppsaum, in aktuellen Preislisten ab etwa 12 Euro, und darauf kommt ein Zuschlag für Futter, Schlitz oder Handsaum, ab etwa 15 Euro. Ein gefüttertes Kleid landet damit je nach Betrieb und Region ungefähr zwischen 17 und 30 Euro. Was darüber hinausgeht, etwa ein abgetrenntes und neu angesetztes Plissee, rechnen viele nach Stunde ab, häufig um die 28 Euro.

Für Chiffon liegst du eher im oberen Teil dieser Spanne, weil zwei Lagen zu kürzen sind und der Oberstoff langsamer läuft. Den genauen Preis nennt dir jede Schneiderei, wenn du das Kleid mitbringst und anziehst; ohne anprobiertes Kleid ist jede Zahl geraten.

Rechne einmal ehrlich nach, bevor du selbst loslegst. Eine passende Nadelpackung, Garn in der richtigen Farbe und ein Nachmittag deiner Zeit sind auch nicht umsonst. Wenn das Kleid teuer war, wenn es für einen einzigen wichtigen Tag gedacht ist oder wenn mehrere Lagen daran hängen, ist die Schneiderei die ruhigere Entscheidung.

Bei diesen Kleidern lässt du die Schere besser liegen

Nicht jeder Saum ist ein Saum. Bei manchen Modellen steckt die Länge in der Konstruktion, und wer unten abschneidet, zerstört den Schnitt.

Langes Chiffonkleid mit Stufenrock neben einem Chiffonkleid in Midilänge
  • Stufenröcke mit mehreren Volantlagen. Kürzt du die unterste Lage, stimmen die Abstände zwischen den Stufen nicht mehr, und das sieht man sofort.
  • Plissee. Die Falten laufen von oben nach unten durch und sind in den Stoff eingebrannt. Ein neuer Saum quer durch das Plissee wellt fast immer.
  • Bodenlange Abendkleider mit beschwertem Saum oder eingenähtem Rosshaarband, das dem Rock seinen Stand gibt.
  • Asymmetrische Schnitte und Vokuhila-Säume, bei denen die Länge das eigentliche Designmerkmal ist.
  • Kleider mit aufgesetzter Spitzenborte am Saum. Die Borte müsste abgetrennt und neu angesetzt werden, und das ist Schneiderarbeit.

Ein Chiffonkleid mit Stufenrock ist so ein Fall: die Lagen sind aufeinander abgestimmt, und die Länge gehört zum Entwurf. Bei solchen Modellen lohnt es sich mehr, gleich in der passenden Länge zu bestellen, als hinterher zu retten. Wenn du generell zwischen zwei Längen schwankst, findest du in unseren Chiffonkleidern in Midilänge die Variante, die bei den meisten Körpergrößen ohne Änderung sitzt, und in den kurzen Chiffonkleidern alles, was ohnehin über dem Knie endet.

Wenn du dich fürs Selbermachen entscheidest: Fang mit dem Futter an. Es ist der einfachere Stoff, du bekommst ein Gefühl für die Maschine und die Länge, und falls doch etwas schiefgeht, sieht es niemand. Der Chiffon kommt danach, mit ruhiger Hand und einer neuen Nadel.

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